Kultur, die man nicht ins Museum sperren kann
Manches Kulturerbe steht hinter Glas. Anderes lässt Puppen tanzen, setzt sich eine leuchtende Kappe auf, zieht ein Fetzengewand an oder sagt mit einem Lebkuchenherz: Schön, dass es dich gibt.
Wenn in Steyr die Puppen tanzen
Noch bevor das KulturEXPO-Jahr beginnt, öffnet sich in Steyr der Vorhang: Von Ende November 6. Jänner ist das Steyrer Kripperl zu erleben. Das Kripperlspiel zählt zu den letzten Stabpuppentheatern im deutschen Sprachraum. Mit handgeführten Figuren und mündlich überlieferten Texten in Steyrer Mundart wird eine besondere Form des Volksschauspiels lebendig gehalten. Seit 2018 gehört das Kripperlspiel des Steyrer Kripperl zum österreichischen Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes im Sinne der UNESCO.
Wenn Ebensee leuchtet
Am 5. Jänner ziehen beim Ebenseer Glöcklerlauf die Glöcklerpassen mit ihren kunstvoll gefertigten Lichterkappen durch den Ort. Die Kappen werden in aufwendiger Handarbeit hergestellt, das Wissen rund um den Brauch wird von Generation zu Generation weitergegeben. Seit 2010 gehört der Glöcklerlauf zum österreichischen Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes im Sinne der UNESCO.
Wenn die Fetzen sagen, was gesagt werden muss
Am Faschingsmontag wird Ebensee zur Bühne für einen weiteren außergewöhnlichen Brauch. Beim Ebenseer Fetzenzug ziehen fantasievoll gekleidete und maskierte „Fetzen“ durch den Ort. Zum Brauch gehört das sogenannte „Austadeln“: Mit verstellter Stimme nehmen die Fetzen ihr Gegenüber aufs Korn. Seit 2011 ist auch der Fetzenzug im Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes eingetragen.
Wenn Gmunden Liebe abstattet
Ein paar Wochen später wird es in Gmunden süßer. Am Liebstattsonntag werden verzierte Lebkuchenherzen verschenkt – eine Tradition, deren Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. „Liebe abstatten“ heißt hier bis heute: anderen Menschen Wertschätzung zeigen. Seit 2014 gehört der Brauch zum Immateriellen Kulturerbe im Sinne der UNESCO.
2027 heißt es: Schauf drauf!
Was Krippenspiel, Glöckler, Fetzen und Lebkuchenherzen verbindet? Menschen halten diese Bräuche lebendig, geben Wissen weiter und entwickeln Traditionen weiter. Genau darauf richtet die OÖ KulturEXPO 2027 den Blick.
Von April bis Dezember 2027 stehen die vier UNESCO-Welterbestätten und das Immaterielle Kulturerbe Oberösterreichs im Mittelpunkt. Eine Einladung, genauer hinzuschauen – auf Geschichte, Handwerk, Bräuche und vor allem auf die Menschen dahinter
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