
Zweitagestour über den Südostgrad
„Achtung, rauer Bergweg, für Halbschuhe ungeeignet“ steht auf einer Tafel am Weg hinauf zum Warscheneck.
Trittsicherheit und Schwindelfreiheit vorausgesetzt, kann der Weg über den Südostgrat ein Höhepunkt im herbstlichen Tourenprogramm werden. Schönstes Herbstwetter erwartet uns auf der Wurzeralm, von wo wir zu einer ausgedehnten Zweitagestour aufbrechen wollen.
Die Route: über den Südostgrat aufs Warscheneck, weiter zur Liezenerhütte und am nächsten Tag über die Brunnalm und Luckerhütte zurück auf die Wurzeralm.
Der erste Teil ist einfach und kraftsparend: die Auffahrt mit der Standseilbahn auf die Wurzeralm. Abwechslungsreich führt von dort der Bergpfad zunächst über die Skipiste, später im lichten Bergwald höher ins Frauenkar.
Die einzigartige Szenerie mit den geschichteten Felsformationen des Ramesch und der Steinwüste des Frauenkars zieht uns unweigerlich in ihren Bann. Der Weg wird steiler und auf den letzten 150 Höhenmetern zum Gipfel werden auch die Hände zum Festhalten an den Seilen gebraucht. Im festen Fels geht es direkt am Grat hinauf zum schon sichtbaren Gipfelkreuz des Warschenecks. Wir genießen unsere mitgebrachte Jause und vor allem auch die in der klaren Herbstluft zum Greifen nahen Gipfel rund um uns.
Der Weiterweg führt zunächst am Kamm entlang Richtung Rossarsch, ehe es im brüchigen Gestein hinuntergeht zu den Zwischenwänden und weiter durch die Wetterlucken Richtung Elmscharte. Die letzten Strahlen der tiefstehenden Herbstsonne verschwinden allmählich hinter dem markanten Hochmölbing und fast unwirklich wie Scherenschnitte stehen die Gipfel der Haller Mmauern im Osten, als wir die Abzweigung zur Brunnalm erreichen.
Jagd unterm Schrocken
Ein Schuss zerreißt die Stille, wir blicken auf, die Gams fällt, und oben, an einem Felsen unter dem Gipfel des Schrocken, steht im Gegenlicht der erfolgreiche Jäger. Fast unwirklich ist diese Szene, Klischees aus Heimatfilmen und Wildererdramen tauchen auf, aber die Erklärung ist ganz einfach: Herbstzeit ist Jagdzeit. Wir beobachten den Weidmann – oder ist es doch ein Wildschütz? – noch beim Abklettern im steilen Schrofengelände, als er sich auf den Weg zur erlegten Gämse macht.
Die Vorstellung, das erlegte Tier hinuntertragen zu müssen, relativiert das Gewicht unserer Rucksäcke um einiges. Leichten Schrittes wandern wir über die Großwiese hinunter zur Brunnalm und in die anbrechende Dämmerung hinein. Eineinhalb Stunden später sind wir im Schein der Stirnlampen bei der Liezener Hütte angekommen. Die an Wochenenden betreute Hütte der AV-Sektion Liezen ist gut besucht und wir werden freundlich aufgenommen. Getränke gibt es zu kaufen, für die weitere Verpflegung hat man selbst zu sorgen.
Ausgeruht machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg zurück. Eine beschauliche, ursprüngliche Wegstrecke durch die ausgedehnten Bergurwälder liegt vor uns. Vom weitläufigen Almgelände um die Liezener Hütte geht es zunächst zurück zur Brunnalm. Durch helle Zirben- und Lärchenwälder führt der Weg in ständigem, leichtem Auf und Ab weiter zur Luckerhütte, einer Notunterstandshütte mit einer Quelle in der Nähe. „Jedes Jahr verbringe ich einige Tage allein hier in der einsamen Bergregion unterm Warscheneck“, erzählt uns ein Gärtner aus Wien, der hier in der sehr einfachen und einsamen Luckerhütte übernachtet hat und offensichtlich doch froh ist, Menschen zu treffen.
Am Eisernen Bergl vorbei kommt man zurück zur Abzweigung Richtung Südostgrat. Die Lärchen haben sich bereits verfärbt, und vor dem tiefblauen Himmel leuchtet der helle Kalkstein des Warschenecks. Er zaubert eine Stimmung, die es nur zu dieser Jahreszeit in den Bergen gibt.
| Interesse(n): | Wandern / Nordic Walking / Laufen |
| Ort: | Spital am Pyhrn |
| Bezirk: | Kirchdorf an der Krems |
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| Öffnungszeiten: | Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez |
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