
Netter Stadtspaziergang zu den Schauplätzen der Stadtlegenden
Mystische Spurensuche in Peuerbach
Herzlich Willkommen zu unserem kurzen und kurzweiligen Spaziergang durch Peuerbach, der Stadt der Sterne! Sie werden etwa eine dreiviertel Stunde unterwegs sein. Gönnen Sie sich die Zeit: Nehmen Sie diese ausgedruckten Blätter mit auf Ihre Spurensuche, um die Sagen Peuerbachs an den beschriebenen Stellen zu lesen. Dort kann Sie der „Geist des Ortes“ entführen in längst vergangene Zeiten und Mysterien.
Gerne laden wir Sie auch zu unserer → kulturhistorischen und sternenkundlichen Spurensuche ein. Sie können auch beide Routen zu einem etwas längeren Spaziergang verbinden oder sich im Naturschutzgebiet „Koaserin“ auf → naturkundliche Spurensuche begeben.
Beginnen Sie die Spurensuche nach den mystischen Sagen Peuerbachs am besten am Rathausplatz. Hier sehen Sie die mächtige Kaisereiche, die 1908 zum 60. Thronjubiläum von Kaiser Franz Josef gepflanzt wurde. Westlich direkt gegenüber befindet sich das Schloss Peuerbach mit seinem Renaissanceportal. Das Gebäude wurde 1571 nach einem Brand wiederaufgebaut und ist leider nur noch als Torso erhalten. Darin befindet sich jetzt ein → Museum, das ebenfalls zur Spurensuche einlädt, sowie die Post und das Bezirksgericht.
Das Eckgebäude des Rathausplatzes unten rechts bietet heute Einkaufsvergnügen: „Treff.Mode“. In alten Zeiten lebte an dieser Stelle der Pfleger des Schlosses. Er trieb für die Herrschaften im Schloss die Abgaben ein, war ein Dienstadeliger.
Im Jahr 1426 war Tibolt Pachleitner Pfleger in Peuerbach. In erster Ehe war er mit einer Tochter Rudolfs des Schifers verheiratet. Seine zweite Frau hieß Margarete. Zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes, um 1430, ließ Margarete die Erasmus-Kapelle erbauen, die auch der hl. Maria Magdalena und dem hl. Wolfgang geweiht war.
Überqueren Sie die Hauptstraße und gehen Sie den Kirchenplatz hinunter, um zur Stadtpfarrkirche St. Martin zu gelangen. Beim Betreten des Gotteshauses sehen Sie im Norden die 1711/12 im Auftrag von Gräfin Maria Josepha von Strattmann errichtete Kreuzkapelle in langelliptischer Form. Hier befand sich ehemals vermutlich die Erasmuskapelle. Warum baute die Witwe Margarete wohl eine ganze Kapelle? Für ein solch kostspieliges Unterfangen muss es schon schwerwiegende Gründe gegeben haben. Eine Peuerbacher Sage gibt uns die Antwort:
Nach dem Tod ihres Mannes wurde Margarete Pachleitner immer wieder von einem Traum gequält: Sie sah den Pfleger Tibolt Pachleitner zum Krankenbett seiner ersten Frau schleichen und dieser aus einem Fläschchen etwas in die Medizin träufeln – vielleicht Gift? Lange wusste Frau Margareta diesen Traum nicht recht zu deuten, beschloss jedoch, auf alle Fälle für das Seelenheil ihres Verblichenen in der Martinskirche inbrünstig zu beten - man konnte ja nie wissen. An einem trüben Tag im Allerseelenmonat ging die verunsicherte Frau wieder einmal noch zu später Stunde in die Kirche, um für Tibolt zu beten. Sie war so sehr ins Gebet vertieft, dass sie überhörte, wie der Küster die Kirchentüren abschloss. Nun war die beteifrige Witwe gezwungen, die Nacht in de Kirche zu verbringen, eine nicht gerade aufmunternde Situation. So beschloss Margareta, zunächst einmal ihre Gebete fortzusetzen. Dabei geschah es, dass sie eine dunkle, hohe Gestalt wahrnahm, von der vorher nichts zu sehen gewesen war. Schlürfenden Schrittes zog die Erscheinung durch das Kirchenschiff und näherte sich Margareta. Da erkannte sie plötzlich Gestalt und Gesicht ihres Mannes und erschrak. Mit flüsternder Stimme soll er ihr dabei den Giftmord aus Rache an seiner ersten Frau gestanden und geklagt haben, dass er im Grabe keine Ruhe finden könnte, bis dieses Verbrechen nicht gesühnt sei. Margareta möge doch an der Pfarrkirche noch eine Kapelle zu Ehren des hl. Erasmus errichten lassen.
Schon am nächsten Morgen soll Margareta Pfarrer Dr. Barucher über ihr unheimliches Erlebnis berichtet haben, der ihr geraten haben dürfte, dem Wunsche des Toten zu entsprechen.
Als nun das Kirchlein samt seiner Gruft fertig war und die Arbeiter den Sarg des Pflegers aus seinem bisherigen Grabe hoben, um ihn zu übertragen, kam er ihnen merkwürdig leicht vor. Man öffnete ihn daher und fand darin wohl die Kleider des Pflegers, aber keine Spur von seiner Leiche. Daraus schlossen die Leute, dass er trotz der Stiftung der Kapelle vom Teufel geholt worden sein müsse.
Verlassen Sie nun die Martinskirche wieder und gehen am Martinsbrunnen vorbei.
Legenden um den Hl. Martin: Der etwa 316 oder 317 geborene Hl. Martin war Sohn eines römischen Offiziers im heutigen Ungarn und musste, obwohl christlich gesinnt, die Karriere seines Vaters einschlagen. Als Soldat trug er über dem Panzer die Chlamys, einen zweiteiligen weißen Mantel, der im oberen Bereich mit Schaffell gefüttert war. Eines Wintertages, wohl im Jahr 334, traf er auf einen armen unbekleideten Mann. Kurzerhand nahm Martin sein Schwert, teilte den Mantel und gab eine Hälfte dem Frierenden. Nach 25 Jahren wurde er aus dem Militärdienst entlassen. 371 wollte man ihn zum Bischof von Tours (heutiges Frankreich) machen. Martin hielt sich der Legende nach nicht würdig für dieses hohe Amt und versteckte sich in einem Gänsestall. Die laut schnatternden Tiere verrieten ihn, so musste er die Bischofswürde annehmen.
Folgen Sie nun den Spuren der Urtln. Drehen Sie der St. Martinskirche den Rücken zu und biegen Sie in die Gasse zur alten Volksschule. Aus dem Granitgrander am Eckhaus sprudelt ebenfalls Urtlwasser. Gehen Sie bis zum Gasthaus Urtlhof, der – natürlich- ebenfalls sein eigenes Urt-Becken besitzt. Wenden Sie sich hier nach links. Gleich an der ersten Station finden Sie einen kleinen Platz zum Verweilen mit der Findlingsskulptur des „Gebückten“, über die sich das Wasser der Gerechtigkeitswaage ergießt, und ein Becken mit Urtlwasser, flankiert von zwei Granitpfeilern. Auf einem Schild können Sie die Urtl-Sage in Balladenform und die Erklärung zu ihrer künstlerischen Umsetzung hier auf dem Platz nachlesen.
Die Urtlsage erzählt von einem ungleichen Brüderpaar, einem hübschen Mädchen und von ausgleichender Gerechtigkeit.
Einer der beiden Brüder war ein schmucker Bursche; der andere missgestaltet und buckelig, aber weitgereist, wohlhabend und gelehrt. Das hübsche Mädchen war die Braut des Buckeligen. Vor der Hochzeit wollte er ausziehen, um die Schulden einzutreiben, die er weitum offen hatte und seiner Frau ein angenehmes Leben ermöglichen. So zog er also los, nach einem Jahr wollte er wieder zurück sein. Inzwischen tröstete der daheim gebliebene Bruder die einsame Braut. Zwei Jahre und mehr vergingen, der Buckelige war immer noch nicht wieder gekommen. Beide glaubten nicht mehr an seine Rückkehr und heirateten.
Kurz darauf erschien der Vermisste und sah den an ihm begangenen Verrat. In seiner Wut erstach der Bucklige seinen schönen Bruder. Seine Bluttat sollte mit dem Tod bestraft werden. Um sich zu retten, versprach er der unter großer Wassernot leidenden Bevölkerung Abhilfe: Wenn sein Urteil aufgehoben würde, werde er sie zu einer nie versiegenden Quelle führen. Und so war es auch: an der vom Buckeligen bezeigten Stelle wurde gegraben und das Wasser in drei Becken gefasst. Bis heute sprudelt es kühl und frisch.
Und wer von dem Wasser trinkt, so berichtet die Sage, komme nicht mehr los von der Stadt Peuerbach.
Die Sage erzählt uns also, dass sich „Urtl“ von „Urteil“ ableitet, nämlich dem abgewendeten Todesurteil des Buckeligen.
Nach diesem Abstecher kehren Sie bitte wieder zur Kirche zurück und umrunden Sie diese auf der Ihnen zur rechten liegenden Ostseite. Hier können Sie die Reste der Ringmauer sehen, die Peuerbach seit ihrer Errichtung 1366 wie eine Stadtmauer beschützte. In dem jetzigen Garten befand sich bis der Friedhof, der aber schon 1612 bis 1614 an seinen heutigen Platz verlegt wurde. Schlüpfen Sie nun durch die kleine Pforte in der Ringmauer und überqueren Sie die kleine Brücke über den Ledererbach. Wenden Sie sich nun nach links: links sehen Sie eine unscheinbare Granitsäule stehen. Erinnerung an die Gerichtspraktiken des 16. Jahrhunderts: der Pranger. Er war ursprünglich 1571 vor dem Pflegerhaus aufgestellt gewesen.
Nochmals ein Stück weiter vor ist ebenfalls links von ihnen das nächste Urtl-Becken. Hier können Sie die Schuhe ausziehen und eine Kneippanwendung genießen. Solchermaßen erfrischt wenden Sie sich nun nach rechts zurück zu dem kleinen Park mit dem Denkmal des Turnvaters Friedrich Jahn: den Rossanger. Durchqueren Sie die kleine Grünfläche und gehen Sie nach Norden in die Georg-von-Peuerbach-Straße. Folgen Sie dem Straßenverlauf in einer großen Schleife nach links (nicht gerade nach oben den Hügel hinauf). Auf der linken Seite, gegenüber der Bäckerei Panhölzl, finden Sie das dritte Urtl-Becken. Es ist das Becken, das am nächsten beim in einer unterirdischen Quellkammer liegenden Quellaustritt liegt.
Wenn Sie in den Dachstuhl blicken, sehen Sie einen Korb: er erinnert an den alten Brauch des „Bäckerschupfens“. Wenn im Mittelalter die Brote eines Bäckers zu klein gerieten oder von schlechter Qualität waren, wurde er in einem Korb gesperrt und unter Wasser getaucht. Zur Eröffnung dieses Beckens wurde der Besitzer der gegenüberliegenden Bäckerei Panhölzl in diesem Korb „geschupft“. Mit der Größe und Qualität seiner Semmeln kann das nichts zu tun haben – überzeugen Sie sich selbst!
Folgen Sie nun weiter dem Verlauf der Georg-von-Peuerbach-Straße. Sie trifft auf die Hauptstraße, in die Sie nach links einbiegen. Halten Sie sich nach der Sparkasse weiter links und gelangen so in die reizende Fleischergasse, die von einem Schmiedeeisentor geteilt und von Schwibbögen überspannt wird. In dem kleinen Hof der Volksbank sehen Sie vor einem Schmiedetor ein Becken, in das Urtl-Wasser fließt. Einige der alten Häuser Peuerbachs haben als Hausbrunnen eine direkte Anspeisung mit Urtl-Wasser, hier ist ein schönes Beispiel.
Am Ende der Fleischergasse gelangen Sie wieder auf den Kirchenplatz: wenden Sie sich rechts hinauf und folgen Sie oben ein kleines Stück der Hauptstraße nach links. Hier sehen Sie auf einer kleinen Grünfläche das barocke Standbild des Johannes von Nepomuk. Es wurde 1723 von Gräfin Maria Josepha Eleonora von Strattmann gestiftet, der damaligen Herrin von Schloss Peuerbach.
Die Legende berichtet, dass der fromme und gelehrte Mann sich weigerte, König Wenzel anzuvertrauen, was seine Frau, die Königin, gebeichtet hatte. Daraufhin ließ Wenzl Johannes foltern und 1393 von der berühmten Prager Karlsbrücke in die Moldau stürzen. Johannes von Nepomuk wurde 1729 heilig gesprochen.
So schließt sich der Kreis, Sie sind wieder nahe dem Rathausplatz und der Kaisereiche mit dem Schlossbrunnen.
Literatur: Falkner, August: Peuerbach Die Stadt, im gemeinsamebn Lebensraum mit den Gemeinden Bruck-Waasen und Steegen. Peuerbach 1995.
Knoglinger, Walter: Romantisches Peuerbach im gemeinsamen Lebensraum mit den Gemeinden Bruck-Waasen und Steegen. Peuerbach 1981.
Text: Mag. Cornelia Schlosser, Korrektur: August Falkner und Hubert Haslehner.
| Öffnungszeiten: | Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez |
| Preisinformationen: | Der Stadtspaziergang ist natürlich gratis, die Wegbeschreibung mit den Legenden kann auch in ausgedruckter Form am Schalter des Schlossmuseums abgeholt werden. |
| Kinderfreundlich: | Kinder ab 10 Jahren, Kinder 6-10 Jahre, Kinder 3-6 Jahre |
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Tourismusverband Peuerbach
Rathausplatz 1, 4722 Peuerbach Tel.: +43 (650) 6 77 66 44 e-Mail: tourismusverband@peuerbach.ooe.gv.at Web: http://www.peuerbach.at |
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